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Tarifvertrag groß und außenhandel schleswig holstein 2019

39 Diese Veränderungen im sozialen und wirtschaftlichen Kontext haben jedoch nicht zu grundlegenden strategischen Anpassungen der Gewerkschaften geführt. Obwohl es teilweise und inkrementelle Veränderungen gab, setzte sich die zentrale Logik des Modells – die Repräsentation der Kernarbeiter und die Fokussierung auf institutionelle Machtressourcen – fort. Der Anstieg der peripheren Arbeitskräfte wurde wahrgenommen, aber dennoch blieb das traditionelle Handlungsmodell bestehen. Ein Grund dafür liegt in der starken Vertretung „privilegierter“ Gruppen (wie Festangestellte), die im Gegensatz zu den unterprivilegierten Gruppen durch die Förderung ihrer spezifischen Interessen mehr Einfluss gewinnen können (Müller-Jentsch 2008). Prekäre Arbeitnehmer hingegen können nur auf wenig Widerstandsmittel zurückgreifen (Bourdieu 2000, Dörre 2009b). Deshalb ist es in den geteilten Arbeitsmärkten schwierig, sie zu organisieren. 22 Seit der deutschen Wiedervereinigung hat sich eine enorme Lohnspanne abgesprochen. Durch die Dezentralisierung des Tarifsystems und den Rückgang der Tarifbindung hat die Lohnstreuung vor allem im unteren Drittel der Gesellschaft zugenommen (Lehndorff 2009). 2010 beschäftigte fast jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland einen Stundenlohn unterhalb der Niedriglohngrenze von 9,15€. Seit 1998 ist die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten von 40,5 Millionen Erwerbstätigen (ca. 35 Millionen in der Privatwirtschaft) um 2,3 Millionen gestiegen (Kalina/Weinkopf 2012). 47 Die Strategie der Betriebsräte und Gewerkschaften während der Krise, Zugeständnisse zu akzeptieren, führte zu einer langfristigen Untergrabung ihrer eigenen Machtressourcen durch die Ausweitung von Zeitarbeitskräften und anderen Formen prekärer Arbeit. 34Während des Goldenen Zeitalters des Kapitalismus etablierten die deutschen Gewerkschaften ihre Funktionalität innerhalb des modernen Kapitalismus und bewahrten bis heute ihren Kern, der vor allem durch die Institutionalisierung des Klassenkonflikts gekennzeichnet war.

Einerseits sind sie die Interessensorganisation der Lohnabhängigen als soziale „Gegenmacht“, andererseits verwandelten sie sich aufgrund der „antagonistischen Zusammenarbeit“ mit Unternehmen und Staat in Gewerkschaften. Als „Bestellfaktor“ gestalteten sie die wirtschaftliche Entwicklung (Esser 1982, 2003; Schmidt 1971). In ihrer Rolle als „Zwischengewerkschaften“ (Müller-Jentsch 2008) konnten sie durch Tarifverhandlungen Kompromisse im Interesse ihrer Mitglieder erzielen.

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